Mikroskopie als Hobby

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Polyarthra remata

Mikroskopie ist ein fesselndes Hobby, mit dem ich mich schon lange beschäftige. Das Mikroskop hat mir tiefe Einblicke in eine völlig neue Welt eröffnet, in die Welt des Kleinsten. Diese Welt trägt zu Recht den Namen „Mikrokosmos“, denn sie ist ebenso vielfältig und umfassend wie die Natur, die wir mit bloßem Auge sehen können.

Faszinierende Einblicke in die Natur

Mit dem Mikroskop lassen sich die Lebensvorgänge der Pflanzen erforschen, nicht nur der kleinsten, anscheinend einfach gebauten, sondern auch der größeren und größten unter ihnen, wenn man weiß, wie man sie präpariert. Äußerst fesselnd ist auch der Blick in den „Wassertropfen“, die schier unüberschaubare Lebenswelt in Tümpeln, Seen, Flüssen und Meeren. Hier kann man auch komplexe Tiere wie Insektenlarven, Wasserflöhe, Moostierchen, Bärtierchen, Rädertiere u. a. m. untersuchen, ohne dass man sie töten muss.

Die Vielfalt an Lebewesen ist so unermesslich groß, dass ich mir Schwerpunkte gesetzt habe. Das sind zum einen Rädertiere, eine Tierklasse, die überwiegend im Süßwasser lebt. Über 2000 Arten werden unterschieden. Sie bieten ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld.

Zum anderen begeistern mich Pflanzen, die sich an besondere Lebensbedingungen angepasst haben. Beispielsweise zeigt die Anatomie von Strandhafer oder Strandroggen deutlich, wie diese Pflanzenarten durch ihren speziellen Aufbau dem Stress durch häufigen Sturm und Trockenheit in ihrem Lebensraum, den Dünen, begegnen. Zum Mikroskopieren müssen die Pflanzenteile in hauchdünne Scheibchen geschnitten werden, um sie dann zu färben. Das ist eine sehr entspannende Tätigkeit, vor allem wenn das Ergebnis Freude bereitet.

Andere Lebewesen, die ich hier zeigen möchte, werden in den Galerien Tiere und Protisten präsentiert. Wobei „Protisten“ eine veraltete Definition ist, die ich aber trotzdem weiter benutze, um die große Gruppe der Einzeller und Wenigzeller, deren Zellen nicht arbeitsteilig organisiert sind, zusammenzufassen.

Interessante Technik

Das letzte Bild zeigt ein Amplival von Carl Zeiss Jena. Es wurde mit LED-Beleuchtung und CZJ-Unendlich-Optik mit Hilfe der Firma BW-Optik ausgestattet. Eine Kamera ist installiert. Zusätzlich kann über ein besonderes Teil eines älteren Auflichtmikroskops ein Blitz eingespiegelt werden.

Das Naturerlebnis interessiert mich am meisten. Aber das Hobby bietet noch eine andere Seite, die Technik. Ohne technische Kenntnisse über das Mikroskop – über seine Optik und Mechanik – kann man nicht alle Möglichkeiten, die das Instrument bietet, ausnutzen. Dies  macht natürlich auch Spaß und eröffnet neue Bereiche der Betätigung bis hin zum Basteln hilfreicher Teile.

Digitale Fotografie

Die digitale Fotografie macht es seit fast 30 Jahren möglich, auf einfachere Weise als noch in analogen Zeiten Mikrofotos zu schießen und zu bearbeiten. Findige und begabte Hobbymikroskopiker haben Wege und Mittel gefunden, die es jedem möglich machen, schnell und unkompliziert ansehnliche Mikrofotos zu erstellen. Auf die Weise kann ich meinen Freunden zeigen, was mich an der Mikroskopie so begeistert, und mit anderen MikroskopikerInnen die Ergebnisse diskutieren.

Austausch mit Gleichgesinnten

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Mikroskopie zu einer weit-verbreiteten Freizeitbeschäftigung. Doch war es für den Mikroskopiker nicht einfach, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Meist ging man der Tätigkeit allein in seinem Kämmerlein nach. Allenfalls in den Großstädten gab es mikroskopische Vereinigungen, die dem Erfahrungsaustausch dienten. Umso wichtiger war die Zeitschrift „Mikrokosmos„, die 1907 von Raoul Heinrich Francé gegründet wurde und immerhin bis 2014 existierte. Sie war das zentrale Kommunikationsmittel aller deutschen MikroskopikerInnen, nicht nur von Hobbyisten, sondern auch von interessierten und häufig nicht minder enthusiastischen WissenschaftlerInnen.

Die Bände des Mikrokosmos sind nach wie vor ein fast unerschöpflicher Quell interessanter Beiträge über alle Bereiche der Mikroskopie. Ein Blick in die Zeitschrift lohnt immer. Eine Bibliographie der Mikrokosmos-Beiträge findet sich beim Verlag Elsevier (PDF). In der Datenbank Zobodat des Öberösterreichischen Landesmuseums Linz kann man die Bände einsehen.

Der „Mikrokosmos“ hat zwar inzwischen mit der Zeitschrift Mikroskopie einen Nachfolger gefunden, sie muss aber mit den Foren zur Mikroskopie konkurrieren. Die digitale Welt hat diesem schon seit langem bestehenden Hobby eine ganz neue Bühne eröffnet.

Foren und mikroskopische Vereinigungen

Das wichtigste Forum in Deutschland ist zurzeit das Mikroforum. Solche Foren sind ein Marktplatz, auf dem sich alle Mikroskopiker unbegrenzt über alle Facetten des Hobbys austauschen können. Daneben stehen natürlich die vielen privaten Webseiten (z. B. von Wolfgang Bettighofer, Gerd Günther, die Plingfactory oder Frank Fox), die Seiten der Forscher und Forschungsinstitute sowie der Firmen. Hinweise auf die Seiten geben die Linklisten des Mikroforums oder der Mikroskopischen Vereinigungen. Last but not least muss man die mikroskopischen Vereine und Arbeitsgruppen erwähnen, die den persönlichen Kontakt bei Vorträgen oder gemeinsamen Treffen ermöglichen.Dazu zählen die Mikrobiologischen Vereinigungen Hamburg und München, die Mikroskopischen Gesellschaften inWien und Zürich und das Mikroskopische Kollegium Bonn, um nur einige zu nennen.

Praktische Übungen nach einem Vortrag bei der Berliner Mikroskopischen Vereinigung

Ich selbst bin in der Berliner Mikroskopischen Gesellschaft aktiv. Obwohl ziemlich weit von meinem Wohnort entfernt, lasse ich es mir nicht nehmen, wann immer es möglich ist, an deren Veranstaltungen teilzunehmen oder selbst etwas beizutragen. Die Vorträge und Mikroskopierwochen, die veranstaltet werden, sind schon eine Reise wert, nicht zuletzt wegen der Fachgespräche mit den KollegInnen.

Der Überblick deutet an, dass die moderne Mikroskopie selbst eine bunte und illustre Welt bildet, sie ist keinesfalls ein schrulliges Hobby für „Nerds“.

Warum auch du mikroskopieren solltest!

Ich schreibe den Text natürlich nicht nur, um meine eigene Begeisterung über das Hobby auszudrücken, sondern auch, um dich zu animieren, es mir gleichzutun. Wie vielfältig das  Hobby ist, zeigt allein schon die kurze Auflistung der Mikroskopiegruppe Bodensee, die sich mit folgenden Dingen beschaftigt (Quelle: Mikroskopgruppe Bodensee) :

  • Plankton (Planktonnetzfang, Lebendkulturen)
  •   pflanzenschnitte (Stängel, Blüten, Bätter, Holz)
  •   Insekten (Mandibeln, Beine, Flügel)
  •   Pollen (Honig, Pollenflug, Bienenstock)
  •   Bakteriologie (inkl. Petrischalenkulturen)
  •   Sand (organischer- und anorganischer Herkunft, weltweit)
  •   Mikropaläontologie (Solnhofener Plattenkalk, Grube Messel, Ölschiefer)
  •   Polarisation (Dünnschliffe, Kristallwachstum)
  •   mikroskopische Technik (Einbetten, Objektmessen und -zählen, Zeichnen)
  •   Mikrotomtechniken (Entwässern, in Paraffin einbetten, Schneiden)
  •   Färbetechniken (Einzel- und Mehrfachfärbungen)
  •   Mikrofotografie (digital und analog, Objekte kleiner als 10 mm)
  •   Makrofotografie (digital, Objekte von 10-60mm)
  •   Bildbearbeitung (digital am pc, Farbkorrektur, Formatkonvertierung)
  •   Film- und Bildscannen (analog zu digital: Color-, SW-, Dia- und Negativfilm)
  •   eigene „Entwicklungen“ (Wärmeschrank, Objektträgerreinigung, Minizentrifuge)
  •   Mikroskopiekurse für Schüler, Studenten, Erwachsene und Fortgeschrittene
  •   mikroskopische Untersuchungen z. B. für Landwirte, Imker, Detekteien und Privathaushalte

Man sieht, es ist für jeden etwas dabei!

Kein teures Hobby

Mikroskopieren ist kein Hobby nur für wohlhabende Menschen. Man kann zwar erhebliche Mittel aufwenden, wenn man unbedingt die neuesten wissenschaftlichen Instrumente haben will, aber das ist völlig überflüssig, ja durchaus kontraproduktiv. Höchstleistungsinstrumente sind etwas für Spezialisten, die solche Dinge auch handhaben können. Ein solides preiswertes Gerät ist die wesentlich bessere Wahl.

Mikroskopische Vereine und Foren haben schon Seiten eingerichtet, die einem bei der Entscheidung für ein Gerät helfen. Dort finden sich auch Links zu den Herstellern und Händlern. Die Mikroskopfreunde Nordhessen beraten etwa beim Erwerb eines preiswerten, aber gut ausbaubaren Biolam-Mikroskops.

Nicht zu Unrecht raten viele zum Kauf eines gebrauchten, grundsoliden und ausbaufähigen Mikroskops einer renommierten Firma wie Zeiss (West und Ost), Leitz/Leica, Hund, Olympus oder Nikon. Vermittelt werden diese Instrumente etwa beim Mikroforum (Anmeldung für den Zugang zum Marktplatz erforderlich) oder bei verlässlichen Händlern, die auch beraten. Neue Mikroskope bieten die Hersteller selbst, Geschäfte für optische Geräte oder Lehrmittelhändler an. Links zu solchen Verkäufern findet man auf den Seiten der Foren und Vereine. Ohne Vorerfahrung bei Versteigerungsplattformen im Netz zu kaufen, ist nicht unbedingt ratsam, obwohl es auch hier gute Händler gibt. Am besten ist es natürlich, sich Mikroskope bei Mikrofreunden in den Vereinen oder von Händlern zeigen zu lassen.

Ein Ergaval von Carl Zeiss Jena. Ein solides gebrauchtes Mikroskop. Es kann weiter ausgebaut werden, z.B. mit Phototubus und Phasenkontrasteinrichtung. Es kostet je nach Ausstattung zwischen 100 € und 300 €.

Auch ich benutze gebrauchte Geräte. Für den Anfang reichen Objektive, die 4-, 10-, 40- und 100fach vergrößern. Damit kommt man schon sehr, sehr weit. Für diese Mikroskope existiert auch ein umfänglicher Gebrauchtwarenmarkt für Zubehör, das man nach und nach je nach Wunsch erstehen kann.

Notwendige Hilfsmittel wie Objektträger, Deckgläser, Pinzetten und Pipetten erhält man bei Lehrmittelhändlern.

Wie anfangen?

Anregungen, was man überhaupt untersuchen kann, Anleitungen zum Umgang mit dem Mikroskop, Hinweise auf Hilfsmittel, u. a. auch Chemikalien fürs Präparieren u.v.m. bieten die untenstehenden Bücher. Sehr anschaulich und umfassend fällt der Einführungskurs von Martina und Günther Zahrt der Berliner Mikroskopischen Gesellschaft aus, detaillierte technische Auskünfte aller Art gibt die Mikrofibel von Klaus Henkel.

Bruno P. Kremer, Mikroskopieren ganz einfach, Kosmos Verlag

Bruno P. Kremer, Das große Buch der Mikroskopie, Kosmos Verlag.

Für Kinder: Annerose Bommer, Mikroskopieren. Entdecken, Staunen, Wissen, Kosmos Verlag

Im Netz (sehr gut): Einführungskurs in die Mikroskopie von Martina und Günther Zahrt (Berliner Mikroskopische Gesellschaft)

Bei technischen Fragen zu empfehlen (sehr umfangreich): Klaus Henkel, Mikrofibel (als PDF) über die Münchner Mikroskopische Vereinigung